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Zimt – Du kannst so leben wie du willst (KUS 004 – 2016)

Einfach mal Kind sein dürfen und sich über eine Wiese rollen, egal wie schräg das aussieht. Das tun Zimt im Videoclip zu „Du kannst so leben wie du willst“, ihrer ersten Single auf dem aufstrebenden Augsburger Indie Pop Label Kleine Untergrund Schallplatten.

Zimt, das sind Janina (Keyboard, Gesang), Isabella (Bass, Gesang) und Ralf (Schlagzeug), den man bereits als Sänger und Gitarrist von Endlich Blüte kennt, die ebenfalls bei Kleine Untergrund Schallplatten veröffentlichen.

Überhaupt erscheint Augsburg gerade als Indie Hochburg auf der deutschen Landkarte und hat fast so etwas wie eine kleine Szene an Bands entwickelt, die sich gegenseitig kennen, schätzen und befruchten. Neben Endlich Blüte seien hier vor allem noch San Antonio Kid und Friedrich Sunlight zu nennen (die LP Ersterer ist unlängst auf dem Off Label erschienen, Letztere haben gerade ihre erste LP für das Hamburger Label Tapete Records eingespielt).

Dennoch kann man nicht von einem typischen Augsburger Sound sprechen, denn jede dieser Bands hat ihre eigene Nische gefunden und auch Zimt spielen ihren ganz eigenen Sound, der nur schwer zu kategorisieren ist. Die Young Marble Giants mit noch mehr Drang zum Pop oder die Marine Girls kommen einem in den Sinn, wenn man die A-Seite ihrer neuen Single auflegt. Das heißt Lo-Fi Understatement und DIY Attitüde. Und auch die Hamburger Band Die Heiterkeit ist nicht weit, ohne das Zimt diese kopieren würden. Sie haben auf ihrem Debüt einen zwar reduzierten, aber doch höchst melodiösen Sound gefunden. Der Song wird geleitet von einem markanten Basslauf (man mag fast an New Order denken), dem clever eingesetzten minimalistischen Schlagzeug und komplettiert von einem orgelartigen Klangteppich. Dazu im Refrain der dezent zweistimmige Gesang von Janina und Isabella, erst gar nicht offensichtlich, harmonisch schön.

Der Titel ja fast eine Bejahung des Lebens und der Individualität, beginnt der Song doch mit einer Schwarzmalerei: „Mein Leben wurd’ grau in grauer / fast schwarz war es bald“, bevor wir erleichtert erfahren „du kannst so leben wie du willst, ja, du darfst so leben wie du willst!“. Und weiter: „Die Grenzen die uns trennen / haben keinen Wert mehr“ – alles wird also gut? Weit gefehlt, denn „die Grenzen sind Schuld daran / dass ich nicht mehr bei dir sein kann“. Die Band bleibt hier rätselhaft. Und tut das auch am Schluss des Songs, der eben nicht mit dem zweiten Refrain endet, sondern am Ende nochmal eine erfrischend andere Wendung durch einen gekonnten Melodiewechsel liefert.

Auf der B-Seite haben Zimt dann einen „Tag zu verschenken“, nehmen die Gitarre in die Hand und klingen damit ein wenig wie eine andere Hamburger Band, die Lassie Singers, oder auch Britta. Bringen lange Tage eigentlich Glück? Diese Frage steht im Raum und auch andere Fragen plagen sie. Die Qualen des Alleinseins zum Beispiel, das andererseits Hilfe sein kann sich selbst zu finden und zu erfinden. Zimt zeigen also nicht nur musikalisch sondern auch textlich schon viele interessante Ansätze, bleiben dabei gerne etwas verschroben zweideutig und liefern selbst auch noch die beste Lösung zu vielen Problemen des Lebens und des Alltags: „Machen wir uns doch nicht verrückt“. Es werden also stets beide Seiten thematisiert, die Seelenqual und der Optimismus! Sie wollen nach vorne schauen und geben uns die Gewissheit, dass alles irgendwie irgendwann gut werden wird.

Bleibt zu hoffen, dass Zimt hier weiter machen und so leben und musizieren wie sie wollen, statt sich irgendwelchen Zwängen des Musikbusiness zu beugen. Ihre erste Veröffentlichung macht neugierig und lässt uns gespannt auf die nächsten Releases und Konzerte blicken, in der Hoffnung dass die Band so erfrischend anders und schwer greifbar bleibt.

Zu beziehen ist diese wundervolle Single hier:

https://zimtband.bandcamp.com/releases

https://www.facebook.com/kus2015/

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