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The Molochs – America’s Velvet Glory (Innovative Leisure 2017)

In dieser Besprechung geht es um das bisherige Album des Jahres. Oder mindestens das lässigste: „America’s Velvet Glory“ von The Molochs aus Los Angeles. Schon Bandname (vermutlich sind sie Fans von Ginsbergs „Howl“) und Albumtitel sind natürlich erstaunlich cool. Und auch das notwendige Name Dropping: The Modern Lovers, The Velvet Underground, Bob Dylan, Violent Femmes, The Strokes und natürlich irgendwie auch die Labelmates Allah-Las kommen beim Hören der LP in den Kopf. Und doch sind die Molochs keine dieser Bands, langweilen nicht mit reiner Imitation, sondern klingen frisch und aufregend. Schon der erste Song, „Ten Thousand“ nimmt ungeheuer Fahrt auf, fragt „how could it be that such love could go to hell?“, aber versinkt nicht im Selbstmitleid, sondern macht klar „there is a way out, yes I know I can escape“, mit treibender Orgel wie auf dem Modern Lovers Debut. Die Molochs stecken den Kopf nicht in den Sand. Es mag hier um Liebe gehen, und die (Lebens-)Krisen, die diese verursacht, doch immer mit dem Blick nach vorn gerichtet, lebensbejahend, das erwartend, was danach kommen mag. So auch in „No Control“, in dem die mangelnde Kontrolle erst angeprangert wird, bevor Sänger Lucas Fitzsimons zu jangelnder 12-String Gitarre feststellt, dass es sich gerade gut anfühlt, die besagte Kontrolle nicht immer zu haben. Zweiter Song, zweiter Hit. Die anschließende Ode an Charlie („Charlie’s Lips“) erinnert thematisch fast ein wenig an „David Watts“ von den Kinks – oh, wäre man gerne David Watts bzw. Charlie – „there’s nobody else like Charlie“. Musikalisch ist es jedoch mehr „Arnold Layne“ (Pink Floyd) als „David Watts“. Einen veritablen Pop Hit liefern sie gar mit „The One I Love“ ab, mit überbordenden Lyrics: „I’ve never met anyone like you / you glow in the light and the darkness, too / anyone would be lucky to / know what it’s like to be loved by you, AH!“. Nur um uns danach in die Abgründe zu führen, zu The Jesus and Mary Chain Schlagzeug: „Learn a lesson when the world beats you down / but don’t ever, ever follow“ (in „Little Stars“). „No More Cryin’“ wird bluesiger, bevor mit „You and Me“ ein weiteres Mal die Liebe beschworen wird, oder der fehlende Glaube daran („But you always tell me / that you love only me / and it’s never enough / in my mind you’ve got wandering eyes“), fast dylanesk, vielleicht das Highlight auf einer durch und durch großartigen LP. Auch das Cover und Inlay (aufklappbares Poster und Lyrics Sheet) sind übrigens genauso stilsicher und überzeugend wie der Rest – „Dedicated to all who are velvet“. Jeder der sich von den oben genannten Künstlern angesprochen fühlt: schnell los und diese LP kaufen!

Bewertung: 8/10

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Thema von Anders Norén