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News & Faves on Vinyl

The Goon Sax – Up to Anything (Chapter Music – 2016)

„No, I don’t care about much, but one of the things I care about is you“. So The Goon Sax in ihrer Debut Single. Und weiter: „And sometimes I think about things, and sometimes I accidentally think about you“. Louis Forster, einer der Sänger (und auch Gitarrist und Bassist), ist der Sohn von Robert Forster, dem legendären und immer noch aktiven Go-Between. Bereits diese Debut Single, „Sometimes Accidentally“, gab ein Versprechen. Alltagsbeobachtungen, Coming of Age – die Qualen des Aufwachsens, unglückliche und glückliche Liebe, Aufbruch. Alles verpackt in einen Sound, der an Stellen an die frühen Go-Betweens erinnern mag, ohne diesen Vergleich hier überstrapazieren zu wollen. Denn die blutjunge Band macht ihren eigenen Sound, kann ihre Herkunft „Down Under“ dabei aber nicht verbergen – und das soll sie auch nicht. Das alles wirkt noch etwas unsicher, etwas verspult, versprüht DIY Attitüde. Und auch textlich spiegelt sich diese Unsicherheit stets wieder. Allein die erste Handvoll Songs bietet unzählige memorable Textzeilen. Es geht um den Bücherstapel neben dem Bett, der da seit Wochen unberührt herumliegt und um andere simple Dinge wie den Hass auf (Mobil-)Telefone (die wohl für das zugrunde gehen anspruchsvoller Konversation verantwortlich gemacht werden), um Haarschnitte von Rockstars, die schwer hinzukriegen sind („I show them a picture of Roger McGuinn / Edwyn Collins / John Lennon / David Byrne / It seems I just can’t win“). Außerdem erfahren wir vom Sänger: „I never feel very comfortable with my own body“ und „sometimes I feel my clothes are wearing me“ – eine Person die sich selbst noch nicht gefunden hat. Fast schon tragisch berichtet er von mangelnder Akzeptanz, oder zumindest Ungleichheit in seinen menschlichen Beziehungen: „sometimes I don’t know if you even know me“ – dennoch gesteht er im Anschluss ein: „I only ever do anything cause I’m thinking about you“. Man fühlt mit ihnen. Auch wenn die Floskel „I’m making the best of a bad situation“ auf der LP in „I’m making the worst of a bad situation“ (in „Making the worst“) umgekehrt wird. Die völlige Verneinung jeglichen Optimismus. Spätestens hier möchte man der Band sagen: das wird alles noch, irgendwann, wenn ihr über Zwanzig seid! So lange möchten wir die Naivität und Melodiösität von The Goon Sax allerdings nicht missen. Denn ihr Gespür für Pop haben sie im Gegensatz zum Selbstbewusstsein schnell gefunden. Freunde von The Clean, The Bats, und jeglichem leicht dilettantisch angehauchtem Indie Pop dürften ihre wahre Freude an dem Album haben. Und natürlich Fans der Go-Betweens. Allein um zu sehen was Louis Forster aus den Genen seines Vaters macht. Und um in ein paar Jahren sagen zu können: Ich war schon beim ersten Album dabei!

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Thema von Anders Norén