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EZTV – High In Place (Captured Tracks – 2016)

„High in Place“ ist das zweite Album von EZTV der 3-köpfigen Band um Sänger, Songschreiber und Gitarrist Ezra Tenenbaum aus New York City (und bei diesem Nachnamen kann ja fast nichts schief gehen). Wie ihre nur geringfügig schwächere LP „Calling Out“ erschien „High in Place“ im September auf Captured Tracks und ist purer, klarer Indie-Pop in Reinform. Captured Tracks, das einst so angesagte Label aus Brooklyn, hat in letzter Zeit etwas an Faszination verloren. Einst lechzte ich nach jeder Veröffentlichung, kaufte ihre Erscheinungen fast blind, wurde aber dann irgendwann vorsichtiger und hab das Label mittlerweile fast aus den Augen verloren. Darum erschien diese LP auch ein wenig später auf meinem Radar als gewohnt, doch lässt sie die glorreichen Zeiten des Labels wieder aufleben. Jeder Song ist ein Winner, wenn auch nicht auf den ersten Blick. Erst nach einigen Hördurchgängen schälen sich die Melodien heraus, kristallisieren sich die persönlichen Hymnen heraus, mag die Platte auch anfangs etwas nach „same same“ geklungen haben. Sie braucht Zeit, wie guter Wein, zu dem man sie auch gut genießen kann. Oder zu einer Tasse Tee, oder den ersten Sonnenstrahlen am Morgen (evtl. in der Position der Band auf dem Cover). Sie ist sowohl Frühlings-, als auch Sommer-, Herbst- oder Winterplatte, und es fällt schwer bestimmte Songs herauszupicken, denn das Album ist wie aus einem Guss. Die Single „High Flying Faith“ mag noch am meisten Hitcharakter besitzen, auch wegen der Beteiligung von Jenny Lewis (ehemals Rilo Kiley), und auch „Reason to Run“ ist sicherlich eines der Highlights. „I’ve got every reason to run – … nowhere!“ singt Ezra Tenenbaum hier. Genauso unbestimmt schwelgerisch bleibt die ganze LP. Mag man Referenzen nennen, so kommen einem Real Estate, ebenfalls aus NY / NJ in den Sinn. Dazu spielen Chris Cohen und Nic Hessler, die ebenfalls schöne LPs bei Captured Tracks veröffentlicht haben, auf der LP mit, und schon scheint die ganze Familie vereint. Der Kreis schließt sich, wenn man dann noch Jason Schwartzmans Lobpreisung auf dem Cover liest (Wes Anderson Filme!), und logisch, Martin Courtney (der letztes Jahr auch ein formidables Solo Album veröffentlicht hat) aus der eben erwähnten Band Real Estate ist ebenfalls am EZTV Album beteiligt. Real Estate Alben sind aus einem ähnlichen Guss, haben einen ähnlichen Fluss. Scheinbar haben manche dieser Bands einfach diesen NY Spirit inhaliert, können gar nicht anders als diesen laid back Indie Pop zu spielen, schauen davor und danach wahrscheinlich ihre liebsten Seinfeld Folgen oder Woody Allen Filme oder fahren beim Komponieren nach Long Island rüber. Wie auch immer: eine LP für alle Jahreszeiten. Zeitlos guter Pop!

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